blogreportage

Spreecamp ist Alles – Workshop in der Lausitz

 


Meine Abenteuergeschichte über ein Workshop-Wochenende in der Lausitz

mit Sascha Hoecker aka ‚Licht Ist Alles‘ und ‚Spreefotograf‘ Karsten Nitsch vom Spreecamp

 

Ich kann nicht genau sagen wann ich über die beeindruckeneden Bilder von Sascha gestolpert bin. Wenn ich länger darüber nachdenke, dann wohl im Herbst letzten Jahres, nach der Buchpräsentation von Steffen Böttcher in Berlin. Sascha verfasste (s)einen Blogpost zum Logbuch New York, welcher dann bei Facebook geteilt wurde. So tat sich mir die Welt von ‚Licht ist alles‘ auf. Und dieser Name ist Programm! Fortan bestaunte ich seine Bilder auf Webseite und Instagram, stellte (zunächst) mir die Frage wie diese Magie in die Bilder kommt. Diese Antwort sollte ich im April erhalten, was ich bis dato nicht wusste.

Ende Januar dann die Entscheidung: Mit meinem besten Freund und fotografischen Compagnon Tommy gehts in die Lausitz. Kameratasche packen, Schlafsack in die Hand, festes Schuhwerk und eine Prise einen Haufen Neugier im Gepäck und ab ins Spreecamp Neustadt zum Spreefotografen Karsten.

Die Kombination aus Abenteuerurlaub und fotografischer Weiterbildung hätte nicht perfekter sein können! Viele von uns kennen monotone Räume in denen der Workshopredner vorne steht und stundenlang von sich und seiner Kunst erzählt. Schön und gut, aber hier ist die Symbiose 1A gelungen (welches unter anderem das ausschlaggebende Argument PRO Landschaftsfotografieworkshop war). Ein Vortrag über Naturfotografie im steifen Konferenzraum? Nee! Denn die Motive findet man ja auch nicht dort, sondern draussen… am Lagerfeuer, am Fenster mit den Spinnweben, morgens zum Sonnenaufgang und in Regionen in denen manch einer denken könnte, dahinter sei das Ende der Welt.


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Freitag Abend, wir wurden von zwei freundlichen Gesichtern im Camp begrüßt, Sascha & Karsten. Direkt zeigte man uns Holzhütten, Plumpsklo, Feuerstelle und Workshopraum bis alle weiteren Teilnehmer eintrudelten. Mit der vollständigen Gruppe ging es zum Abendessen in die nahegelegene Pension (da das Camp nur mit dem Nötigsten ausgestattet ist)  in der wir mit Lausitzer Leckereien verköstigt wurden. Mir war das Essen nicht fremd, denn wie manch einer weiß, ist die Lausitz meine Heimat. Doch beim Nachtisch schauten die Jungs verdutzt, als die große Portion der leckeren Speise vor ihren Augen stand – Der Plins – Kein Pfannkuchen, kein Palatschinken, kein Crêpe! Der Lausitzer Plins : )

Am Lagerfeuer inmitten des Camps haben wir diesen ersten Abend ausklingen lassen. Jeder hat von sich erzählen können, wir haben den Wolfsgeschichten von Karsten spannend zugehört und mit Sascha in den Himmel geschaut. Obwohl wir wussten wie früh der nächste Tag beginnt, die Plätze wurden erst weit nach Mitternacht verlassen.

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Samstag brachen wir noch VOR dem Frühstück auf zum ersten, geplanten, visuellen Highlight des Workshops. Der Rhododendronpark Kromlau wartete bereits mit seiner Rakotzbrücke von uns abgelichtet zu werden, so wie es schon viele andere vor uns taten. Anhand dieser Kulisse zeigte uns Sascha wie er Motive findet und vorallem gestaltet.

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Im Camp zurück gab es erstmal ein reichhaltiges, leckeres Frühstück in der Pension, inklusive Schnittchenpaket und Obst für den Tag. Bevor es zur nächsten fotografischen Kulisse gehen sollte, erzählte Sascha von seinem Werdegang und wie er seinen Bildstil gefunden erarbeitet hat.

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Ich war sicher die einzige Workshopteilnehmerin, aber nicht die einzige Frau im Camp.

Liebe Grüße an dieser Stelle an die Mädchen.

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Wer glaubt wir fuhren nur von A nach B, um geplante Spots abzulichten, täuscht! Der Tagebau und die Lausitz sind nicht nur eine gewaltige Landschaft die fotografisch anlockt, sondern sie bringt auch Geschichten zum Vorschein, von denen viele sicher noch nicht gehört haben, geschweige denn die Vorstellung dafür aufbringen können. Karsten brachte uns diese näher (neben all den anderen Geschichten mit Wölfen, Vögel, Geräusche im französischen Wald und Indianern…).

„Und hier standen die Höfe mit Häusern darauf. Man kann hier noch die Einfahrt erkennen, gut zu sehen anhand der Baumreihen“, erzählte mir Karsten beim Auto fahren. Wir stoppten unerwartet und Karsten berichtete auch den anderen Jungs, dass hier vor einer Weile noch Menschen lebten, bevor sie ihrer Heimat beraubt und umgesiedelt wurden.

Mir stockte kurz der Atem. Ich kenne diese Geschichten. Dies ist meine Heimat, hier bin ich groß geworden. Ein Teil meiner Familie arbeitet pro Tagebau, mein Herz ist kontra. Was richtig und falsch ist kann ich nur schwer sagen. Würde man mein Haus abreißen wollen, um an die Braunkohle zu kommen die viele Meter darunter lagert, ich würde kämpfen, so wie es viele noch heute tun! Kämpfen um die Heimat.  

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Nun aber wieder zurück. Bevor wir die Aussicht über das gesamte Tagebaugebiet Nochten zu sehen bekamen, wanderte Karsten mit uns querfeldein bis an den Rand des Geschehens. Er gab uns viele Informationen zur Region mit auf den Weg und Sascha zeigte uns wieder einmal mehr wie nicht nur Licht alles ist, sondern auch Form, Farbe, Kontraste, sowie in jeder Landschaft das besondere Etwas zu entdecken gibt. „Habt ihr die Linien auf dem Boden erkannt“, rief es uns von Sascha entgegen. „Darauf habe ich geachtet. Sie sind ein Teil meiner Bildgestaltung und verleihen dem Bild die Dynamik/ Führung die ich dem Bild zuweisen möchte.“

Ging es bei den zuletzt besuchten Workshops um Portraits, Hochzeiten oder Kommunikation, musste ich dieses Wissen hier beiseite legen. Landschaftsfotografie erfordert eine andere Beobachtung und folgt anderen Punkten auf die man sich konzentriert. Nichts was mir fremd oder neu wäre, denn wenn ich keine Menschen ablichte, werden auch Landschaften, Gebäude und fremde Länder festgehalten. Sich hin und wieder mal mit ganz anderen (fotografischen) Themen zu beschäftigen ist unglaublich erfrischend! Und was einem erst später bewusst wird: das Eine kann selten ohne das Andere.

Für mich war es nicht der erste Gang an eine Baggergrube. Viele habe ich bereits bestaunt, mein Vater hat mir Geschichten dazu erzählt und trotz Höhenangst habe ich Aussichtstürme erklommen (Merzdorf, Erlebnispark Teichland, Weißwasser, Turm am Felixsee, Steinitzer Treppe), das Geisterdorf Haidemühl bei Proschim gesehen, Gut Geisendorf direkt(!) an der Tagebaugrenze betreten und die F60-Brücke bestiegen. Es ist so unglaublich was unsere Erde zu bieten hat. Von den Alpen bis zur Küste und inmitten ein Gebiet was wir uns wohl nur in Filmen vorstellen könnten.

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Während dem Fotografieren und nach neuen Motiven Ausschau haltend, war Sascha mit Rat und Tat an unserer Seite. Wir haben ihm Fragen stellen können, Antworten und Anekdoten erhalten, mit ihm gelacht und auch einfach mal nebeneinander gestanden und auf dieses riesengroße Tagebaugebiet gestarrt. (Wie) Eine Wanderung unter Freunden…

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Bei einem kleinen Mittagssnack zeigte uns Sascha „mal eben“ wie er ein Bild bearbeitet. Ohne Rechner, ohne Lightroom! Das Smartphone gezückt, die App geöffnet, das Bild per WiFi von der Kamera auf das Telefon übertragen und husch ging es live mit dem Bearbeiten los. In wenigen Minuten erklärte er uns wie einfach es sein kann auch von unterwegs seine Bilder mal „auf die Schnelle“ mit aller Welt zu teilen. Anhand dieser einfachen Tatsache zeigte sich, dass die Kunst NICHT nur das Nachbearbeiten ist, sondern der Look seiner Bilder bereits mit der Aufnahme entsteht. Im Nu entstand ein Bild mit Magie von ‚Licht ist alles‘.

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Karsten heizte bereits am Nachmittag den Kessel ein. Ein Geschichte die Tommy so lebendig erzählte, dass ich euch an dieser Stelle nur den Link hinterlasse…

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Am Lagerfeuer von innen und außen aufgewärmt, gingen zu später Stunde 6 Männer in den heißen Spreekessel (alter Kessel einer Schnapsbrennerei die unendlich viel Wasser aus der Spree aufnehmen kann)… sie lachten, sie schreiten, sie feierten. Es gibt wohl kaum Workshops, wo sich Teilnehmer so nah kommen. Dies zeigte einmal mehr was für eine tolle Gruppe wir waren! Danke Jungs! Auch da blieb die Kamera nicht fern, dabei die Iso an ihre Grenzen gebracht, werden wir diesen Abschlussabend so schnell nicht vergessen.

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Sonntag, letzter Workshoptag, es regnete, optimal um sich in der angewärmten Gemeinschaftshütte zu versammeln. Etwas später, als am Vortag, aus dem Schlafsack gekrabbelt, ging es erstmal zum Duschen über den Fußballplatz. Danach haben wir uns wieder beim leckeren Frühstück für den Tag gestärkt, inklusive Schnittchentüte.

Leinwand und Beamer waren einsatzbereit, die Rechner aufgeklappt und die Ohren gespitzt. Nun wollten wir alle noch wissen, wie entsteht denn ein ‚Licht-ist-alles-Bild‘ am Rechner? Sascha zeigte in aller Ruhe und Genauigkeit wie es gehen kann. Wir folgten ihm, versuchten anhand unserer Bilder mit ihm gleich zu ziehen. Unsere Runde tauschte sich munter aus, jeder gab Tipps, unterstütze den anderen, zeigte Tricks in Lightroom. Und am Ende des Workshops zog der ein oder andere mit mehr oder viel mehr Input aus dem Abenteuerwochenende nach Hause.

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DANKE, Sascha & Karsten – für eure heitere Art, eure Inspiration, die Geschichten, das gemeinsame Erlebnis, die freundschaftliche Art und das Gefühl mit einem Smaragd in Herz und Kopf nach Hause zu gehen! Alle die euch (mit eurem Wissen und Geschichten) kennenlernen wollen, zögert nicht! Jeder (männlich und weiblich!) der bereit ist Abenteuer zu erleben, sich die Hände und Hosen schmutzig zu machen und die Ruhe der Ferne genießen möchte ist hier im Spreecamp an der richtigen Adresse. Und wie Thomas schon sagte: sicher nix für Weichflöten! Für mich aber war es ein riesiger Quell an Inspiration, wieder Kind sein, Abenteuerluft schnuppern, in den Sternenhimmel gucken, glücklich im Funkloch und ein bisschen Ronja Räubertochter sein ; ) …

 

{ Das folgende Bild muss aufgrund von unveröffentlichter Zukunftsmusik vorerst unter Verschluss gehalten werden ; ) }

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DANKE Jungs, dass ich das Glück hatte mit euch diesen ersten Workshop zu erleben.

Wir haben gelacht, uns ausgetauscht, sind gewandert, haben gemeinsam angestoßen und fotografiert.

Und wenn es wieder ein Abenteuer gibt, sagt mir Bescheid, ich bin sehr gerne dabei.

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Der Sinn des Reisens besteht darin,
unsere Phantasien durch die Wirklichkeit zu korrigieren.
Statt uns die Welt vorzustellen,
wie sie sein könnte, sehen wir sie wie sie ist.
Samuel Johnson (1696 – 1772)

 

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3 Gedanken zu „Spreecamp ist Alles – Workshop in der Lausitz

  1. Worte: Herbert Keller
    Weise: Hans Naumilkat

    Unsre Heimat, das sind nicht nur die Städte und Dörfer, unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald.
    Unsre Heimat, ist das Gras auf der Wiese, das Korn auf dem Feld und die Vögel in der Luft und die Tiere der Erde und die Fische im Fluss sind die Heimat.
    Und wir lieben die Heimat, die schöne, und wir schützen sie, weil sie dem Volke gehört, weil sie unserem Volke gehört.

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